Saturday, November 25, 2006

ATTITUDE, EINSTELLUNG...

Nun, obwohl ich noch nicht mal Brief Zwei abgeschickt habe, fang ich mal an, weiterzuerzaehlen.
Gibts was neues? Hmm, nicht viel, aber ich will mal versuchen, das zu vermitteln.
War die Tage in El Faschir (EF) und hab ne Patientin dorthin verlegt bzw. begleitet und somit das erste mal die Strassen hier erleben duerfen. Steppe, Sand, Staub, Hitze, noch mehr Staub und ne Frau kurz vorm akuten Abdomen. War stabil, soviel sei gesagt, aber waehrend dieser Fahrt Puls und Blutdruck zu messen kann man eine Herausforderung nennen. The trick to the trick: Generell muss man von der Pulsfrequenz nur die Male abziehen, wo der Wagen durchgeschuettelt worden ist, also knapp die Haelfte...
Ist ja alles gutgegangen, und als ich dann schliesslich die Frau ans Krankenhaus uebergeben hatte, nachdem ich auf der Suche nach dem diensthabenden Arzt mal schwupps, Tuer eins, Tuer zwei, im OP stand und durch die sehen durfte, wie man grade in irgendeinem Bauch zugange war, hab ich dann auch in EF uebernachtet. War aber nicht so spannend, abgesehen davon, dass man dort Internet hat, wenn dies auch in der „Geduld ist eine Tugend“-Version. Immerhin habe ich mit Freuden sehen koennen, dass Marcus meine erste Nachricht in den Blog gesetzt hat, wo ich doch gedacht hatte, dass meine Mails nur im Spam landen wuerden. Danke Maeckes!
Hab mich ueber alle Nachrichten und Mails sehr gefreut, mal so ein wenig aus der Heimat, hab dann aber noch nicht zurueckgeschrieben, leider nicht genug Zeit gehabt. Auf die You Tube Sachen freu ich mich schon, wenn ich (in zwei Monaten;))in Khartoum ne schnellere Verbindung habe.
Wo ich schon bei Geduld war, das Aequivalentmotto „Patience is a virtue“ haengt schon ueber meinem Schreibtisch an der Wand, was mir zwischendurch helfen soll, wenns mal zu viel wird.
Noch auf 5x10 cm recht winzig, habe ich mir schon ueberlegt, ob dieser Spruch am Ende meines Einsatzes die ganze Wand einnehmen koennte, muss man doch von Zeit zu Zeit wirklich einfach Dinge akzeptieren, die man eigentlich nur ungern akzeptieren will.
Habe mich die letzte Zeit ein wenig beobachtet und nachdem die erste Veraergerung ueber die Umstaende meiner Einsatzbeginns gewichen war und einem gerissenen Geduldsfaden nach ca. zwei Wochen (war nicht arg schlimm) bin ich zur Zeit unheimlich gelassen und ruhig. Habe mir nochmal vergegenwaertigt, was ich diesmal besser machen wollte und da stand ganz oben auf der Liste nachzuvollziehen, was die Leute hier erlebt haben und welchen Einfluss dies auf Ihr Verhalten genommen haben koennte, um somit bessere Ansaetze fuer Kommunikation bezueglich positiver Verstaerkung und Reaktion auf Fehlverhalten zu finden, hat doch fast jeder unseres Personals hat richtig Scheisse erlebt und mindestens ein Familienmitglied in diesem Konflikt verloren.
Klappt nun auch einigermassen gut, wobei manche Sachen einfach gar nicht gehen und entsprechenden Handlungsbedarf nach sich ziehen, so oder so, schliesslich werden Personal und Material von Spendengeldern bezahlt...
Man kann versuchen, den Menschen hier vieles, was man fuer wichtig erachtet, beizubringen und zu einem gewissen Grad scheinen sie das auch zu schaetzen, aber eins ist so schwierig zu vermitteln, wie es wichtig ist: Attitude, die richtige Einstellung!
Und das kann dann auch verzweifeln lassen. Nicht, dass ich in schon in diesem Stadium angelangt waere, aber es Bedarf unheimlich viel Initiative, Wiederholung, positiver Vorbildfunktion und zu einem gewissen Grad Akzeptanz um daran zu arbeiten und etwas zu bewirken.
Aber ich kann nur wiederholen,dass ich denke, hier ein gutes Team zu haben, dass, wie zuletzt so schoen gesagt wurde, „one voice – eine Stimme“ hat. Und wenn man an einem Strang zieht, geht’s doch besser.
Vieleicht sollte ich an dieser Stelle mal die Chance ergreifen, ein wenig ueber meine Teamkollegen zu plaudern:
Da waere Oscar (Spanier), Krankenpfleger, ein lustiger Geselle, recht straight, professionell, ein wenig dickkoepfig und hormongesteuert, aber unterhaltsam und nett.
Steffen (Deutscher), Chirug, nett und professionell, auch wenn man die typischen Ansaetze Chirugendenkens (nicht unbedingt „kenn ich nicht-schneid ich weg“, aber im Detail halt) erahnen kann. Adaptiert sich und seine therapeutischen Ansaetze sehr gut und vernuenftig an den Kontext.
Luis (Spanier), internistischer Intensivmediziner, ergaenzt sich aerztlicherseits gut mit Steffen, auch nett und sehr umgaenglich.
Tom (Kanadier) ist unser Logistiker, hat am Sonntag seinen 10.000sten Tag auf Erden gefeiert, nett und umgaenglich, ein wenig frustriert, weil man ihm scheinbar bezogen auf seinen Einsatzort die Hucke vollgelogen hat, aber da er das Team wohl auch sehr schaetzt, nicht ganz unzufrieden und sehr eifrig dabei, Arabisch zu lernen (auch recht erfolgreich). Schon eigener Schlag, aber sehr ok.
Peter (Daene), unser Administrator, ist derjenige, der hier den Altersdurchschnitt mit 60 Jahren sprengt, alle Anderen sind so zwischen 27 und 38. Hat trockenen Humor und zwei Jahre in Uganda verbracht, ist manchmal ein wenig hektisch und zerstreut, hat aber ne Menge Erfahrung und kann diese auch einbringen.
Bleibt Juan (Spanier), zur Zeit Field Co, hat aber nur ausgeholfen, da sich keiner finden laesst, ein Schicksal, das wir wohl noch laenger tragen muessen. Juan geht naechste Woche, so dass wir immer wieder jemanden aus der Koordination in EF dafuer hier haben werden. Ich muss sagen, dass Juan gestern die wohl schlechteste und peinlichste Rede zum Anlass einer Hochzeit einer unserer lokalen Mitarbeiterinnen gehalten hat, bei der ich, und definitiv auch Steffen und Tom, am Liebsten in einer Erdspalte versunken waeren. Fremdschaemen in der ersten Reihe, fuerchterlich.
Man wird sehen, welchen nachhaltigen Schaden er damit angerichtet hat...
Wenn er auch seine Staerken haben mag, eines ist gewiss: Reden sind es nicht!
Generell haben wir einen guten Humorkonsens, auch erfreulich.
Soweit die Uebersicht, ich hoffe, diese Infos waren nicht allzu langweilig, aber da ich schliesslich die naechsten 5 Monate mit diesen Personen verbringen werde...
Ich mach mal Schluss jetzt,
bis demnaechst,
Marc

Pesto`s E-Mail Adresse: msfe-shingiltobaya-sat[at]barcelona.msf.org

Ihr dürft die magische Grenze von 50kb allerdings nicht überschreiten ;-).

No comments: