FIELD, die Erste
Es ist Donnerstag, 9.11., 22.00 Uhr und ich hab`s mir grad in meinem Tukul gemuetlich gemacht, nachdem wir zuvor draussen in unserem kleinen Innenhof eine Stunde lang auf Baenken und Matratzen gelegen haben und uns zu Goldfrapp (exzellenter Sountrack dafuer) die Sterne angeschaut haben. Ich liebe den afrikanischen Himmel und wuenschte mir, Ihr koenntet das sehen, was ich hier sehen darf (leider ist das auf dem Foto nur sehr begrenzt moeglich...). Nachdem die Vollmondphase, die einem Nachts, wenn man zum pinkeln quer durch unser Grundstueck laufen muss, ein wunderschoenes Licht gibt, nun rum ist, ist es hier eher duster und man kann viele Sternbilder und –schnuppen sehen.
Nun lieg ich im Bett und will Euch mal so die ersten Eindruecke vermitteln, waehrend im Hintergrund Hendrix laeuft.
Erstmal eine gute und eine schlechte Nachricht:
Mir geht’s hier gut, aber, wie es scheint, hab ich wohl wieder mit dem Rauchen angefangen. Aergert mich zwar schon, ist aber momentan halt so und ich hoffe, dass ich das flugs wieder sein lassen kann...
Nachdem ich mein Briefing in Barcelona hatte und dort schon einen Teil meines Teams kennenlernen durfte, bin ich dann am 26.10. nach Khartoum aufgebrochen.
Dort gabs dann weitere Briefings und einige Tage Aufenthalt, eine ziemlich fette Party, dazu irgendwann mal mehr...
Meine ersten Eindruecke waren etwas befremdlich, denn im Sudan laeft`s alles noch ein wenig anders (nur so viel: Sudan ist neben Nord Korea wohl der einzige Staat, in dem man ein Visum fuer die Ausreise braucht...sollte als Info genuegen...;))
Was zum Beispiel erstmal gewoehnungsbeduerftig ist, ist die Tatsache, dass der Freitag hier der Sonntag ist und die Woche Samstags anfaengt. Aber mittlerweile bin ich da schon ein wenig im Rhythmus.
Bin dann von dort aus am 30.10. nach El Fashir, der Hauptstadt Nord Darfur`s geflogen, und, natuerlich braucht man auch um nach Darfur einzureisen ein Visum...
Nach zwei weiteren Tagen Briefing, besonders, was Sicherheitsmassnahmen fuer uns angeht, ging`s dann per Hubschrauber weiter ins Projekt nach Shangil Tobaya.
Die Menschen hier haben uns sehr nett empfangen, doch hat sich eins von vornherein herausgestellt: die meisten Leute hier sprechen nur Arabisch, und das macht es nicht grade einfacher. Man braucht hier meisstens einen Uebersetzer, was definitiv Spontaneitaet und direkte Einflussnahme auf Situationen einschraenkt. Schwierig, und de fakto heisst das, dass ich hier Arabisch lernen muss...und das empfinde ich doch als recht schwierig, da die arabische Sprache doch so ziemlich nix mit Deutsch, Englisch, Franzoesich oder so am Hut hat...von der Schrift mal ganz zu schweigen...
Wir haben zweimal die Woche die Moeglichkeit, an einer Arabischklasse teilzunehmen, was sich fuer mich erst einmal ergeben hat. Zaehlt man dabei mal alles zusammen, was man sonst noch hier zu lernen hat (muslimische Kultur/ Gewohnheiten, das Projekt an sich, 130 neue Namen, mannigfaltigste Protokolle fuer diverse Arbeitsschritte und seinen eigenen Weg, wie man an die Leute, die man supervisiert herantreten, motivieren und sein Team letztendlich leiten will/ kann plus viele, viele andere Dinge), so kann man sagen, dass mir hier momentan ganz schoen der Schaedel brummt und ich grade versuchen muss, mir einen Plan fuer die naechsten Wochen aufzustellen.
Unser Expat-Team ist nun fast komplett, wir sind zwei Pfleger, zwei Aerzte, Logistiker, Administrator und Field Coordinator. Muesste eigentlich was zu schaffen sein, aber was wie ein Damoklesschwert ueber uns haengen wird ist die Tatsache, dass wir jederzeit evakuiert werden koennten und das Projekt dann nur noch auf Sparflamme laufen wuerde, was zum einen fuer die Fluechtlinge, denen wir hier die Gesundheitsversorgung sichern, sehr schlecht waere und zum anderen natuerlich alles, was man bis dahin zu implementieren versucht haben koennte und vieleicht grade lief, den Bach runtergehen koennte...
Die ganze politische Lage ist sehr komplex und schwer zu durchschauen.Von dem, was hier in Darfur an Militaeraktionen, Angriffen, Uebergriffen und so weiter vor sich geht, kriegt man eher wenig mit, praesentiert sich dieses Fleckchen Erde doch als eher ruhig und beschaulich. Dass hier 20 oder 30 km entfernt gekaempft wird, kriegt man eher nicht mit, ausser hier und da mal Schuessen vieleicht, aber dafuer haben wir ja Leute, die sich eigentlich nur mit der politischen Entwicklung hier auseinandersetzen, so dass ich mich nicht wirklich unwohl bei dem Gedanken fuehle.
Unser Projekt ist aehnlich dem, was ich in Uganda betreut habe, nur dass hier viel mehr Supervision und Training bzw. Qualitaetssicherung im Vordergrund stehen wird und wir zur Zeit auch das noetige Personal dafuer haben. Ich hab hier die Leitung unseres stationaeren Bereichs, der Apotheken im Health Centre, der Verbandsversorgung und Hygiene und der Frauenklinik (Vorsorge, Entbindungen, Nachsorge, was aber grade eher ruhig laeuft und mit ner Frauenstation in Deutschland nicht zu vergleichen ist, vieleicht nenn ich sie ja F....4, oder so...;)) uebernommen.
Meine Kollegen hier sind sehr nett, seht gutes, starkes Team, jeder wirkt recht kompetent in seinem Bereich, nur Maenner zwar, aber hat ja auch was .
Unser Tag besteht im wesentlichen daraus, die erste Haelfte in unserer Gesundheitseinrichtung und die zweite im Buero/ auf inserem Grundstueck ( was aneinander angeschlossen ist) zu verbringen, Freitags ist frei, jedenfalls sollte es so sein.
Bewegungen ausserhalb unseres Grundstueck sind nur sehr eingeschraenkt moeglich und ab 19.00 muessen wir alle zurueck sein. Das koennte halt recht krass werden so nach einigen Monaten, mal sehen...
Der Kauf der externen Festplatte und der Aktivlautsprecher war die beste Investition seit Langem,wird mich hier mit Sicherheit das eine oder andere Mal retten...;)
Zoff im Zoo hab ich den Leutchen hier dann auch schon beigebracht, und angefixt sind se....
Was Viechzeugs angeht, so haelt sich das bisher noch in Grenzen, wobei ich sagen muss, dass es hier sicherlich von Vorteil ist, einen Penis zu haben, muss man sich somit nur zum Kacken uebers Latrinenloch hocken und kann es sich abends zum Sport machen, die Kakerlaken, die einem durch das Loch entgegenkrabbeln, wegzuspuelen...;). Aber flink sind die...
Wenn man ueber unser Grundstueck lauft, hat man die ganze Zeit das Gefuehl, am Strand zu laufen, nur fehlt halt irgendwie das Meer...;)
Viele Fledermaeuse gibt es hier, die einem im Dunkeln im Tiefflug ueber den Kopf huschen und auch recht viele Igel. Meisstens kann man sich hier vorkommen wie in einer grossen Volière, da es hier echt viele Voegel gibt, die einem im Buero oder beim Essen einen Besuch abstatten und dann aber auch, ohne zu nerven, wieder irgendwann wegfliegen.Was hier aber definiv noch nen relativen Terrorfaktor ausmacht sind die vielen Tauben und Esel, die`s hier gibt. Nachts hat man eine krasse Geraeuschkulisse und wir fragen uns, ob Esel grade Nachts geil werden, denn es hoert sich so an, als ob se wie die Weltmeister ficken wuerden (da muss man das Kind mal beim Namen nennen, von „Liebe machen“ kann da nicht mehr die Rede sein, wenn, dann ficken die...).
Hat mich aber noch nicht weiter gestoert, kann hier recht gut schlafen...und gegessen, bisher muss ich naemlich sagen, dass es mir vorzueglich schmeckt... Glueck gehabt...
Generell denke ich, dass es hier zwar anstrengend wird, aber hat ja auch keiner das Gegenteil behauptet, und das Leben ist ja nun bekannterweise auch kein Ponyhof...;)
Soweit meine ersten Eindruecke, hoffe, dass es an der Heimatfront allen soweit gut geht und das Wetter nicht allzu schlecht ist,
macht`s mal gut,
ich drueck euch,
bis demnaechst mal,
Pesto Okene Marc (und wer weiss, welcher Name spaeter noch hinzukommt...)
p.by: M@ckes